Ratgeber · für Hausverwaltungen & Eigentümer

Messstellenbetreiber Strom: was er macht, was er kostet und wann sich ein Wechsel lohnt

Auf jeder Stromrechnung steht neben Arbeits- und Grundpreis eine dritte Position, die kaum jemand hinterfragt: das Entgelt für den Messstellenbetrieb. Dahinter steht ein eigener Markt mit eigener Wahlfreiheit – getrennt vom Liefervertrag. Für Verwaltungen mit vielen Zählern kann das relevant sein, für einzelne Standardzähler meist nicht. Hier steht, wie es funktioniert und wann sich der Blick lohnt.

Messstellenbetreiber: Was ist das und was macht er?

Der Messstellenbetreiber ist das Unternehmen, das Ihren Strom- oder Gaszähler einbaut, betreibt, wartet und abliest. Er sorgt dafür, dass die Verbrauchsdaten korrekt erfasst und an Netzbetreiber und Lieferanten weitergegeben werden. Bei modernen und intelligenten Messsystemen, den sogenannten Smart Metern, übernimmt er auch die sichere Datenübertragung. Für seine Arbeit erhebt der Messstellenbetreiber ein eigenes Entgelt, das auf der Rechnung als Messentgelt oder Messstellenbetrieb erscheint.

Wer ist mein Messstellenbetreiber?

Ihren Messstellenbetreiber finden Sie meist auf der Jahresrechnung Ihres Strom- oder Gaslieferanten, oft im Abschnitt zu Zähler und Entgelten. Hat er Ihnen eine eigene Rechnung geschickt, steht er dort. Wenn Sie nichts anderes vereinbart haben, ist in der Regel der örtliche Netzbetreiber als grundzuständiger Messstellenbetreiber zuständig. Im Zweifel hilft eine kurze Anfrage beim Netzbetreiber mit Zählernummer und Adresse.

Messstellenbetreiber, Netzbetreiber, Lieferant: drei Rollen, die oft verwechselt werden

An jeder Lieferstelle wirken drei verschiedene Unternehmen mit, und sie sind sauber getrennt. Der Lieferant verkauft die Energie – das ist der Vertrag, um den es beim Anbieterwechsel geht. Der Netzbetreiber transportiert sie und berechnet dafür Netzentgelte; ihn kann man nicht wechseln, er ist regional gesetzt. Und der Messstellenbetreiber stellt den Zähler, betreibt ihn, wartet ihn und liest ihn ab. Seine Kosten erscheinen auf der Rechnung als eigene Position – Messstellenentgelt oder Messentgelt.

Grundzuständig oder wettbewerblich

Standardmäßig übernimmt der grundzuständige Messstellenbetreiber die Aufgabe, in aller Regel der örtliche Netzbetreiber. Seit dem Messstellenbetriebsgesetz gibt es daneben wettbewerbliche Messstellenbetreiber, die frei beauftragt werden können. Wichtig zum Verständnis: Dieser Wechsel ist unabhängig vom Liefervertrag. Sie können den Stromanbieter wechseln und den Messstellenbetreiber behalten – oder umgekehrt. Beides hat miteinander nichts zu tun.

Messstellenbetreiber wechseln: Wann es sich für Verwaltungen lohnt

Bei einem einzelnen Standardzähler ist der Effekt meist klein. Interessant wird es bei drei Konstellationen: wenn viele Zähler eines Bestands gebündelt betreut werden sollen, statt über mehrere Netzgebiete verstreut; wenn fernauslesbare Messeinrichtungen den Aufwand für Zwischenablesungen, Mieterwechsel und Abrechnung spürbar senken; oder wenn ohnehin eine Umstellung auf moderne Messeinrichtungen ansteht und man die Gelegenheit nutzt. Wer viele Einheiten verwaltet und regelmäßig Zwischenablesungen bei Mieterwechseln braucht, spart hier eher Zeit als Geld – und Zeit ist im Verwaltungsalltag der teurere Posten.

Worauf Sie vor einem Wechsel achten sollten

Vier Punkte lohnen den Blick. Erstens die Preisstruktur: Für moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme gelten gesetzliche Preisobergrenzen – vergleichen Sie, was der wettbewerbliche Anbieter tatsächlich berechnet. Zweitens die Vertragslaufzeit, die oft länger ist als beim Liefervertrag. Drittens die Datenbereitstellung: Wie kommen Sie an Zählerstände und, bei größeren Lieferstellen, an Lastgangdaten? Und viertens die Zuständigkeit – in einer WEG entscheidet für Gemeinschaftszähler die Gemeinschaft, für Wohnungszähler der jeweilige Anschlussnutzer.

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Preisobergrenzen und Regelungen können sich ändern.

Messstellenbetreiber wechseln: So läuft es Schritt für Schritt

  1. Bestand klären: Bevor Sie den Messstellenbetreiber wechseln: Welche Zähler gibt es, wer ist heute Messstellenbetreiber, und steht das Entgelt auf der Rechnung des Lieferanten oder kommt eine eigene Rechnung?
  2. Angebote einholen: Wettbewerbliche Messstellenbetreiber nennen ihre Preise und Leistungen, etwa Fernauslesung, Datenportal oder Bündelung mit Wärme- und Wassermessung.
  3. Vertrag schließen: Mit dem gewählten Messstellenbetreiber wird ein eigener Vertrag über den Messstellenbetrieb geschlossen, getrennt vom Strom- oder Gasvertrag.
  4. Wechsel durch den neuen Betreiber: Den Wechselprozess mit dem bisherigen Messstellenbetreiber und dem Netzbetreiber stößt in der Regel der neue Messstellenbetreiber an. Je nach Fall übernimmt er den vorhandenen Zähler oder tauscht ihn.
  5. Abrechnung prüfen: Danach sollte das Messentgelt nicht mehr doppelt auftauchen, weder beim bisherigen Betreiber noch auf der Lieferantenrechnung.

Liegenschaftsmodell: Eigentümer wählen für das ganze Haus

Normalerweise entscheidet der Anschlussnutzer, also der Mieter oder Nutzer eines Zählers, über seinen Messstellenbetreiber. Das Messstellenbetriebsgesetz gibt aber auch dem Anschlussnehmer, also dem Eigentümer des Gebäudes, ein eigenes Auswahlrecht für die gesamte Liegenschaft (§ 6 MsbG). Für Hausverwaltungen ist das der eigentlich interessante Hebel.

Der Eigentümer kann statt der einzelnen Nutzer einen anderen als den grundzuständigen Messstellenbetreiber auswählen, wenn dieser verbindlich anbietet,

  • alle Stromzählpunkte der Liegenschaft mit intelligenten Messsystemen auszustatten und dabei die gesetzlichen Höchstentgelte einzuhalten, oder
  • neben Strom mindestens eine weitere Sparte wie Gas, Wasser, Fernwärme oder Heizwärme über das Smart-Meter-Gateway zu bündeln, und zwar ohne Mehrkosten für die Nutzer im Vergleich zum bisherigen getrennten Messstellenbetrieb.

Laufende Verträge über den Messstellenbetrieb enden dann entschädigungslos, wenn mindestens die Hälfte ihrer Laufzeit abgelaufen ist, frühestens nach fünf Jahren. Zwischen der Ausübung des Auswahlrechts und dem Vertragsende müssen mindestens drei Monate liegen, und die Nutzer sind spätestens einen Monat vorher zu informieren. Umgekehrt können die Nutzer vom Eigentümer alle zwei Jahre verlangen, zwei Angebote für ein solches Modell einzuholen.

Für Verwaltungen bedeutet das: Ein gebündelter Messstellenbetrieb für Strom und Heizwärme kann Ablesung, Zwischenablesung beim Mieterwechsel und Heizkostenabrechnung deutlich vereinfachen. Ob es sich rechnet, zeigt nur der Vergleich mit dem heutigen Aufwand.

Warum das Thema zur Lieferstellenübersicht gehört

Auch wenn Sie den Messstellenbetreiber nicht wechseln: Er gehört in Ihre Bestandsaufnahme. Denn er bestimmt, wie und wie oft gemessen wird – und damit, ob Sie belastbare Verbrauchsdaten für eine Ausschreibung haben. Fehlende oder geschätzte Werte führen dazu, dass Lieferanten mit Sicherheitsaufschlägen kalkulieren. Wer seine Lieferstellen sauber dokumentiert, hält deshalb neben Zählernummer und Marktlokations-ID auch fest, wer den Messstellenbetrieb übernimmt. Wie eine solche Übersicht aufgebaut wird, steht im Lieferstellenmanagement.

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Häufige Fragen

Messstellenbetrieb – gut zu wissen

Der Messstellenbetreiber baut den Strom- oder Gaszähler ein, betreibt, wartet und liest ihn ab und übermittelt die Verbrauchsdaten. Dafür erhebt er ein Entgelt, das auf der Rechnung als Messentgelt erscheint.

Meist steht er auf der Jahresrechnung des Strom- oder Gaslieferanten. Ohne eigene Vereinbarung ist in der Regel der örtliche Netzbetreiber als grundzuständiger Messstellenbetreiber zuständig.

Angebot eines wettbewerblichen Messstellenbetreibers einholen, Vertrag über den Messstellenbetrieb schließen. Den Wechselprozess mit dem bisherigen Betreiber und dem Netzbetreiber stößt in der Regel der neue Messstellenbetreiber an. Der Strom- oder Gasvertrag bleibt davon unberührt.

Ja, unter Voraussetzungen nach § 6 Messstellenbetriebsgesetz: Der neue Messstellenbetreiber muss alle Stromzählpunkte mit intelligenten Messsystemen ausstatten oder Strom mit mindestens einer weiteren Sparte wie Heizwärme oder Wasser ohne Mehrkosten für die Nutzer bündeln.

Nein. Messstellenbetrieb und Energielieferung sind getrennte Verträge. Sie können den Stromanbieter wechseln und den Messstellenbetreiber behalten oder umgekehrt.

Der Messstellenbetreiber ist für Einbau, Betrieb, Wartung und Ablesung des Zählers zuständig – nicht für die Energielieferung selbst. Seine Kosten erscheinen auf der Rechnung als Messstellenentgelt oder Messentgelt, getrennt vom Arbeits- und Grundpreis des Lieferanten.

Ja. Seit dem Messstellenbetriebsgesetz können Anschlussnutzer und Anschlussnehmer statt des grundzuständigen Messstellenbetreibers – meist der örtliche Netzbetreiber – einen wettbewerblichen Anbieter beauftragen. Der Wechsel ist unabhängig vom Strom- oder Gasliefervertrag.

Nein. Der Lieferant verkauft die Energie, der Netzbetreiber transportiert sie, der Messstellenbetreiber misst sie. Alle drei können unterschiedliche Unternehmen sein – und werden getrennt gewechselt.

Vor allem dann, wenn viele Zähler gebündelt betreut werden sollen, wenn ferngesteuerte Ablesung den Aufwand für Zwischenablesungen und Abrechnung spürbar senkt oder wenn ein Bestand ohnehin auf moderne Messeinrichtungen umgestellt wird. Bei einzelnen Standardzählern fällt der Unterschied meist gering aus.

Für die Zähler der Gemeinschaft – etwa Allgemeinstrom oder Heizzentrale – handelt die Gemeinschaft, vertreten durch die Verwaltung. Für Zähler einzelner Wohnungen entscheidet der jeweilige Anschlussnutzer selbst.