Ratgeber · für Hausverwaltungen & Eigentümer

Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung: das Zeitfenster richtig nutzen

Eine Preiserhöhung des Versorgers ärgert – und sie öffnet zugleich eine Tür: das Sonderkündigungsrecht. Wer schnell und in der richtigen Reihenfolge handelt, verlässt einen teuren Vertrag ohne Wartezeit. Wer das Ankündigungsschreiben liegen lässt, zahlt die neuen Preise bis zum regulären Vertragsende. Hier steht, wie das Zeitfenster funktioniert – gerade bei Beständen mit vielen Lieferstellen.

Was das Sonderkündigungsrecht ist

Ändert der Versorger einseitig die Vertragspreise, dürfen Kundinnen und Kunden den Vertrag ohne Einhaltung der regulären Kündigungsfrist beenden – wirksam zum Zeitpunkt, an dem die Preisänderung greift. Dieses Recht ist gesetzlich verankert (§ 41 Abs. 5 EnWG); in der Grundversorgung gilt Entsprechendes nach den Grundversorgungsverordnungen. Der Versorger muss die Änderung vorab ankündigen und dabei auf das Kündigungsrecht hinweisen. Wichtig: Es gilt auch dann, wenn der Vertrag regulär noch Monate oder Jahre laufen würde.

Das Zeitfenster: von der Ankündigung bis zum Wirksamwerden

Zwischen dem Ankündigungsschreiben und dem Tag, an dem die neuen Preise gelten, liegt das Handlungsfenster – je nach Vertrag und Versorgungsform typischerweise einige Wochen. Die Kündigung muss vor dem Wirksamwerden der Änderung beim Versorger eingehen. Danach ist das Fenster zu, und es gelten wieder die regulären Fristen aus dem Beitrag Vertragsfristen im Griff. Deshalb gilt: Preisänderungs-Schreiben nie in den Stapel „später" legen – das Datum des Wirksamwerdens ist die Deadline.

Erst der Folgevertrag, dann die Sonderkündigung

Die Regel aus dem Kündigungs-Ratgeber gilt hier verschärft, weil die Zeit knapp ist: Nicht kündigen, bevor der Anschlussvertrag steht. Sonst fällt die Lieferstelle zum Wirksamwerden in die Grundversorgung – und die ist oft teurer als die angekündigte Erhöhung. Die richtige Reihenfolge: Angebot einholen, Folgevertrag abschließen, dann die Sonderkündigung mit Bezug auf das Ankündigungsschreiben aussprechen und die Bestätigung mit Beendigungsdatum anfordern.

Viele Lieferstellen, eine Preiserhöhung: die Chance für Bestände

Erhöht ein Versorger die Preise, betrifft das bei Verwaltungen selten nur einen Zähler – oft hängen dutzende Lieferstellen desselben Bestands am selben Versorger. Das macht die Sonderkündigung zum idealen Anlass für eine gebündelte Ausschreibung: Alle betroffenen Lieferstellen gleichzeitig neu vergeben, statt jede einzeln zu retten. So wird aus der Preiserhöhung der Startpunkt für sauber strukturierte Verträge mit einheitlichen Laufzeiten.

Formulierung und Nachweis

Die Kündigung selbst ist kurz: Bezug auf das Preisänderungsschreiben (Datum nennen), Ausübung des Sonderkündigungsrechts zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Änderung, Kundennummer, Lieferstelle, Zählernummer – und die Bitte um schriftliche Bestätigung mit konkretem Beendigungsdatum. Das Muster-Kündigungsschreiben unten deckt genau diesen Fall mit ab; die Auffangformulierung „hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt" sichert die Kündigung zusätzlich ab.

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Wer die Fenster für Sie im Blick behält

Das eigentliche Problem ist nicht die Kündigung, sondern das Erkennen des Fensters: Preisänderungs-Schreiben verteilen sich über das Jahr, kommen pro Versorger einzeln und gehen im Tagesgeschäft unter. Genau dafür ist das Marktmonitoring da – jede Preisänderung wird geprüft, das Sonderkündigungsrecht bewertet und nur dann ausgelöst, wenn der Markt tatsächlich Besseres hergibt.

Häufige Fragen

Sonderkündigung – gut zu wissen

Die Sonderkündigung muss vor dem Wirksamwerden der angekündigten Preisänderung beim Versorger eingehen. Das Ankündigungsschreiben nennt dieses Datum – es ist die Deadline. Danach gelten wieder die regulären Kündigungsfristen des Vertrags.

Maßgeblich ist, ob der Versorger die Vertragspreise einseitig ändert. Auch eine Umstrukturierung, bei der unter dem Strich mehr zu zahlen ist, löst das Kündigungsrecht in der Regel aus. Bei reiner Weitergabe gesetzlicher Änderungen kann es Ausnahmen geben – das Ankündigungsschreiben muss auf das Kündigungsrecht hinweisen.

Ja, genau dafür ist sie da. Wichtig ist die Reihenfolge: erst den Folgevertrag sichern, dann kündigen. Sonst fällt die Lieferstelle zum Wirksamwerden der Änderung in die Grundversorgung – oft teurer als die Erhöhung selbst.

Jede Lieferstelle hat einen eigenen Vertrag und braucht eine eigene Kündigung. In der Praxis lohnt es sich, alle betroffenen Lieferstellen gleichzeitig gebündelt auszuschreiben – die Preiserhöhung ist der natürliche Anlass, den Bestand neu zu strukturieren.

Ja. Der Versorger muss die Preisänderung rechtzeitig vor dem Wirksamwerden ankündigen und dabei auf das Kündigungsrecht hinweisen. Fehlt der Hinweis oder kommt die Ankündigung zu spät, ist die Preisänderung angreifbar – im Zweifel rechtlich prüfen lassen.

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