Selbstverwaltung und Energie: Was das Thema wirklich an Zeit kostet
Über den Zeitaufwand der Selbstverwaltung wird viel geschrieben – meist von Hausverwaltungen, die ein Interesse an einer hohen Zahl haben. Hier die nüchterne Rechnung für den Energiebereich, mit dem Hinweis, wo Abgeben tatsächlich lohnt.
Kurz gesagt
In einem Jahr ohne Vertragswechsel liegt der Aufwand für den Energiebereich bei etwa vier bis sechs Stunden. In einem Jahr mit Ausschreibung kommen zehn bis zwanzig Stunden hinzu. Das ist überschaubar – der eigentliche Aufwand ist nicht die Arbeitszeit, sondern die Aufmerksamkeit über zwölf Monate hinweg. Genau daran scheitert es meistens.
Das Normaljahr
Ein Jahr, in dem kein Vertrag ausläuft und nichts Ungewöhnliches passiert:
| Aufgabe | Wann | Aufwand |
|---|---|---|
| Zählerstände ablesen und melden | Dezember | ca. 30 Minuten |
| Lieferantenabrechnung prüfen | Januar / Februar | ca. 1 Stunde |
| Energiekosten in die Jahresabrechnung übernehmen | Februar / März | 1 bis 2 Stunden |
| Punkt in der Versammlung vorbereiten und vortragen | Frühjahr | ca. 1 Stunde |
| Fristen prüfen, Wiedervorlage pflegen | laufend | ca. 30 Minuten |
| Summe | 4 bis 6 Stunden |
Das ist wenig – deutlich weniger, als in vielen Ratgebern steht. Diese Zahl gilt allerdings nur, wenn die Grundlagen stehen: eine gepflegte Lieferstellenliste und ein Kalendereintrag für das Vertragsende. Ohne diese beiden Dinge vervielfacht sich der Aufwand, weil jedes Mal von vorn recherchiert wird.
Das Ausschreibungsjahr
Alle ein bis drei Jahre steht ein Vertragswechsel an. Dann kommt hinzu:
| Aufgabe | Aufwand |
|---|---|
| Lieferstellen vollständig erfassen, fehlende Daten beim Lieferanten anfordern | 2 bis 4 Stunden |
| Anbieter recherchieren und ansprechen | 2 bis 5 Stunden |
| Angebote nachfassen und auf einen Stichtag bringen | 1 bis 3 Stunden |
| Vergleich erstellen und Entscheidungsvorlage schreiben | 2 bis 4 Stunden |
| Beschluss vorbereiten, Vertrag abschließen, Altvertrag kündigen | 2 bis 4 Stunden |
| Zusätzlich | 10 bis 20 Stunden |
Die Spannbreite hängt fast vollständig an einem Faktor: ob Sie die Anbieter kennen, die Ihre Konstellation annehmen. Wer als selbstverwaltete Gemeinschaft zum ersten Mal anfragt, verliert die meiste Zeit mit Absagen und dem Suchen des richtigen Vertriebskanals – nicht mit der eigentlichen Arbeit.
Was der Zeitrechnung fehlt
Zwei Kosten stehen in keiner Stundentabelle und sind trotzdem real.
Die Aufmerksamkeit über zwölf Monate. Nicht die vier Stunden sind das Problem, sondern daran zu denken. Ein Termin im Dezember, einer im Februar, eine Frist im Sommer. Wer beruflich eingespannt ist, verliert genau das aus dem Blick – und dann verlängert sich ein Vertrag stillschweigend.
Die Verantwortung. In der Selbstverwaltung handelt eine Person für alle anderen. Das ist unproblematisch, solange alles läuft. Kommt eine Preiserhöhung, steht diese Person allein da. Eine dokumentierte Entscheidungsgrundlage nimmt viel davon weg, aber nicht alles.
Wo Abgeben sich rechnet – und wo nicht
Behalten Sie selbst
- Zählerstände ablesen und melden
- Abrechnung auf Plausibilität prüfen
- Fristen im Kalender führen
- Wechsel aus der Grundversorgung bei einer einzelnen Lieferstelle
Hier lohnt Unterstützung
- Anbieter finden, die Ihre Konstellation annehmen
- Angebote zum selben Stichtag beschaffen
- Vertragsbedingungen jenseits des Arbeitspreises vergleichen
- Bündelung mit weiteren Gemeinschaften
Die linke Spalte ist Routine – die schaffen Sie, und Sie behalten damit die Kontrolle über Ihre eigenen Daten. Die rechte Spalte ist Marktkenntnis, und die aufzubauen lohnt sich für ein bis zwei Vorgänge im Jahrzehnt nicht.
Ein Satz zur Einordnung
Wenn Ihre Gemeinschaft eine einzige Lieferstelle mit geringem Verbrauch hat, brauchen Sie für den Energiebereich niemanden. Der Wechsel aus der Grundversorgung in einen regulären Vertrag bringt den größten Teil der Ersparnis, und den machen Sie an einem Nachmittag.
Ab mehreren Lieferstellen, bei hohem Verbrauch durch Aufzug und Tiefgarage oder wenn mehrere Gemeinschaften zusammengehen wollen, verschiebt sich das Verhältnis. Dann geht es nicht mehr um Stunden, sondern darum, überhaupt an die richtigen Anbieter heranzukommen.
Häufige Fragen
Ist Selbstverwaltung beim Thema Energie realistisch machbar?
Ja. In einem Jahr ohne Vertragswechsel liegt der Aufwand bei etwa vier bis sechs Stunden. Entscheidend ist weniger die Arbeitszeit als die Kontinuität über zwölf Monate hinweg.
Was kostet die Unterstützung durch einen Energiemakler?
Für die Gemeinschaft in der Regel keine direkten Kosten – Makler werden über Vermittlungsprovisionen der Lieferanten vergütet. Genau deshalb sollten Sie darauf achten, dass die Provisionsbeziehung offengelegt wird.
Können wir einzelne Aufgaben abgeben und den Rest behalten?
Ja, und das ist meist die sinnvollste Aufteilung. Routineaufgaben wie Ablesung und Fristenkontrolle bleiben bei Ihnen, die Marktrecherche und der Angebotsvergleich werden abgegeben.
Was passiert, wenn die verantwortliche Person ausfällt?
Deshalb sollten Lieferstellenliste, Verträge und Fristen an einem Ort liegen, auf den mehrere Personen Zugriff haben. Eine gemeinsame Datei genügt – Wissen im Kopf einer einzelnen Person ist das größte Risiko in der Selbstverwaltung.
Die Routine behalten, den Rest abgeben
Wir übernehmen Anbietersuche, Angebotsbeschaffung und Vergleich. Ablesung, Fristenkontrolle und Entscheidung bleiben bei Ihnen.
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