Leerstand: Energieverträge abmelden, ummelden oder weiterlaufen lassen?
Der Mieter ist raus, die Einheit steht leer – und der Stromzähler läuft weiter. Für Vermieter und Verwaltungen stellt sich dieselbe Frage bei jeder Fluktuation: Vertrag abmelden, auf sich selbst ummelden oder einfach laufen lassen? Jede Variante hat einen Haken, und die teuerste ist ausgerechnet die bequemste. Hier steht, was im Leerstand wirklich sinnvoll ist.
Die Falle zuerst: Leerstand landet automatisch beim Eigentümer
Meldet der ausziehende Mieter seinen Stromvertrag ab – was er in aller Regel tut –, endet damit nicht die Versorgung der Wohnung. Solange der Zähler nicht gesperrt ist, wird weiter Energie vorgehalten, und wer sie entnimmt oder auch nur entnehmen könnte, rutscht in die Grundversorgung: Der Eigentümer wird automatisch Vertragspartner des Grundversorgers – zum meist teuersten Tarif am Ort, inklusive Grundgebühr, auch wenn kaum etwas verbraucht wird. Bei einer einzelnen Wohnung sind das schnell 150 bis 250 € Grundpreis und Bereitstellung im Jahr – für nichts.
Zum Download: Checkliste Leerstand und Mieterwechsel

Zwölf Punkte für private Vermieter: Auszug, Übergabe, Leerstand und Einzug.
Variante 1: Zähler abmelden und sperren lassen
Die radikale Lösung: Beim Netzbetreiber die Sperrung oder den Ausbau des Zählers beauftragen. Dann fallen keine laufenden Kosten mehr an – aber die Einheit ist ohne Strom. Für Besichtigungen, Renovierung, Trocknung oder schlicht die Funktion von Rauchmeldern und Heizungssteuerung ist das unpraktisch, und Sperrung wie Wiederinbetriebnahme kosten Gebühren. Sinnvoll ist das nur bei langem, geplantem Leerstand ohne Bau- oder Vermietungsaktivität – etwa vor einem Abriss oder Komplettumbau.
Variante 2: Bewusst auf den Eigentümer ummelden – aber nicht in der Grundversorgung
Für normalen Vermietungs-Leerstand ist das der richtige Weg: Die Einheit läuft während der Lücke bewusst auf dem Eigentümer oder der Verwaltung – aber in einem gewählten Tarif, nicht im Auffangnetz. Die Grundversorgung ist mit zwei Wochen Frist kündbar; wer öfter Fluktuation hat, meldet Leerstands-Einheiten direkt in einen günstigen Grundlast-Tarif um. Bei Verwaltungen mit vielen Einheiten lohnt ein Sammelrahmen: Alle Leerstandszähler laufen zu einheitlichen Konditionen, und bei Neuvermietung wird einfach auf den neuen Mieter übergeleitet. Genau das gehört zum Lieferstellenmanagement.
Stromvertrag nach Auszug des Mieters: keine rückwirkende Abmeldung mehr
Seit dem 6. Juni 2025 gilt beim Strom der sogenannte 24-Stunden-Lieferantenwechsel nach Vorgabe der Bundesnetzagentur. Für den Mieterwechsel hat das eine Folge, die viele Verwaltungen noch nicht auf dem Schirm haben: Stromverträge lassen sich nur noch für einen künftigen Termin an- oder abmelden, nicht mehr rückwirkend. Früher konnte ein Auszug oder Einzug noch Wochen später nachgemeldet werden. Das geht nicht mehr.
Meldet der neue Mieter seinen Einzug nicht rechtzeitig an, läuft die Entnahme ab dem Ende des alten Vertrags über den Eigentümer, und zwar in der Stromgrundversorgung. Beim Mieterwechsel entsteht so schnell eine Lücke von einigen Tagen oder Wochen im teuersten Tarif am Ort, die sich im Nachhinein nicht mehr korrigieren lässt. Bei vielen Wohnungen im Bestand summiert sich das.
Für die Praxis heißt das: Auszug und Einzug mindestens zwei Werktage vorher melden, besser rund zwei Wochen. Neue Mieter schon bei Vertragsunterzeichnung auf die rechtzeitige Anmeldung hinweisen und den Nachweis spätestens zur Wohnungsübergabe verlangen. Für Gasverträge gilt die Regel bisher nicht.
Heizung im Leerstand: nicht abstellen, sondern klein fahren
Beim Gas ist die Abmeldung meist die falsche Idee: Eine unbeheizte Einheit im Winter riskiert Frost- und Feuchteschäden, die jede Energieersparnis um ein Vielfaches übersteigen – und bei Schäden stellt sich schnell die Frage nach der Obliegenheitsverletzung gegenüber der Gebäudeversicherung. Der wirtschaftliche Weg: Heizung auf Frostschutz bzw. abgesenkten Betrieb, Vertrag weiterlaufen lassen, aber die Abschläge an den Minimalverbrauch anpassen – sonst finanzieren Sie dem Versorger ein zinsloses Guthaben.
Wer zahlt den Leerstand in WEG und Mietshaus?
Zwei Ebenen auseinanderhalten: Der Verbrauch in der leeren Einheit geht zulasten des jeweiligen Eigentümers. Beim Allgemeinstrom dagegen trägt in der WEG die Gemeinschaft die Kosten nach Verteilerschlüssel weiter – der Eigentümer der leeren Wohnung zahlt seinen Anteil also mit, Leerstand befreit nicht vom Hausgeld. Im vermieteten Mehrfamilienhaus bleibt der Vermieter auf dem Leerstandsanteil der Betriebskosten sitzen, denn umlegen kann er nur auf tatsächliche Mieter. Details zur Abgrenzung stehen im Beitrag Betriebsstrom vs. Allgemeinstrom.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Leerstand im Bündel- oder Festpreisvertrag: Mengentoleranz prüfen
Für die einzelne Wohnung ist Leerstand eine Frage des Ab- oder Ummeldens. Für den Gesamtvertrag einer Verwaltung ist er eine Frage der Menge. Bündel- und Festpreisverträge werden auf einen erwarteten Jahresverbrauch kalkuliert, und die meisten Verträge regeln, was passiert, wenn der tatsächliche Verbrauch davon abweicht. Liegt er außerhalb des vereinbarten Korridors, kann der Versorger Mindermengen nachberechnen. Ausgerechnet dann, wenn Wohnungen leer stehen oder ein Objekt saniert wird, kommt also eine Nachforderung dazu.
Entscheidend ist deshalb die Mengentoleranz: wie weit der Verbrauch nach oben oder unten abweichen darf, ohne dass nachberechnet wird. Eine voll flexible Menge ist ideal, aber nicht immer nötig und meist teurer. Nach unserer Erfahrung schwankt der Verbrauch bei Mehrfamilienhäusern in der Regel um weniger als 30 Prozent. Ein Korridor von ±30 Prozent reicht deshalb oft aus und bringt einen günstigeren Preis als die volle Flexibilität. Das ist ein Erfahrungswert, keine feste Regel. Bei absehbarer Sanierung oder größerem Leerstand gehört die Frage vor den Abschluss.
Zwei Punkte sollten Sie bei jedem Bündelvertrag klären: Wie groß ist der Toleranzkorridor, und wie werden Objekte behandelt, die wegfallen oder neu hinzukommen? Ob neue Objekte in einen bestehenden Rahmenvertrag aufgenommen werden, hängt vom Versorger ab: Manche machen das, andere nicht. Auch die Konditionen sind Verhandlungssache. Wir holen bei der Bündelausschreibung deshalb Angebote mit unterschiedlichen Toleranzen ein, damit Sie Preis und Flexibilität direkt vergleichen können.
Der Praxis-Fahrplan bei Auszug
Bewährt hat sich diese Reihenfolge: Zum Auszug alle Zählerstände mit Foto dokumentieren (wie beim Eigentümerwechsel). Sofort danach die Einheit aktiv ummelden statt in die Grundversorgung fallen zu lassen, Abschläge auf Leerstandsniveau setzen. Bei Neuvermietung Übergabestand dokumentieren und den Vertrag sauber auf den Mieter überleiten. Wer viele Einheiten verwaltet, hinterlegt das als festen Prozess – dann kostet Fluktuation keine Energie-Nebenkosten mehr.
Leerstandsmanagement: In der Praxis genügt eine E-Mail
Der häufigste Grund, warum Leerstands-Lieferstellen trotz besseren Wissens in der Grundversorgung landen, ist nicht Unkenntnis – es ist Aufwand. Wer bei jedem Auszug ein Versorgerportal aufrufen, Formulare suchen und in Warteschleifen hängen muss, verschiebt es. Und dann läuft der teure Auffangtarif weiter.
In der Branche heißt dieser Vorgang Leerstandsmanagement – größere Versorger bieten ihn als eigenen Prozess für die Wohnungswirtschaft an, damit Einheiten zwischen Auszug und Neuvermietung nicht in der Grund- oder Ersatzversorgung landen. Genau das halte ich für meine Kunden bewusst schlank: Sie schreiben mir eine kurze E-Mail – Objekt, Einheit, Zählernummer, Zählerstand und Datum des Auszugs –, und ich übernehme die Meldung. Bei den Versorgern, mit denen ich überwiegend arbeite, läuft das über eine feste Key-Account-Betreuung und damit deutlich schneller als über den allgemeinen Kundenservice. Dasselbe gilt in umgekehrter Richtung, wenn neu vermietet wird und die Lieferstelle auf den neuen Mieter übergeleitet werden soll.
Für Ihre Verwaltung heißt das: ein Vorgang, eine E-Mail, kein Portal-Login. Und Sie können auf Nachfrage jederzeit belegen, dass die Lieferstelle zum Auszugsdatum korrekt gemeldet wurde.
Leerstand im Bestand? Einmal sauber aufsetzen.
Ich richte für Ihren Bestand einen festen Leerstands-Prozess ein: gewählte Tarife statt Grundversorgung, angepasste Abschläge, saubere Überleitung bei Neuvermietung. Danach genügt bei jedem Auszug eine kurze E-Mail an mich – die Meldung übernehme ich. Kostenlos und unverbindlich.
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Leerstand & Energie – gut zu wissen
Nein. Seit dem 6. Juni 2025 sind An- und Abmeldungen von Stromverträgen nur noch für einen künftigen Termin möglich. Wird ein Mieterwechsel zu spät gemeldet, läuft die Lieferstelle bis dahin über den Eigentümer in der Grundversorgung. Für Gas gilt diese Regel bisher nicht.
Sinkt der Verbrauch durch Leerstand oder Sanierung unter den vereinbarten Korridor, kann der Versorger Mindermengen nachberechnen. Entscheidend ist die Mengentoleranz im Vertrag. Bei Mehrfamilienhäusern reicht nach unserer Erfahrung oft ein Korridor von ±30 Prozent, der zugleich günstiger ist als eine voll flexible Menge.
Leerstandsmanagement bezeichnet den geregelten Umgang mit Lieferstellen zwischen Auszug und Neuvermietung: Die Einheit wird zum Auszugstag auf den Eigentümer oder die Verwaltung umgemeldet – in einen gewählten Tarif statt in die teure Grund- oder Ersatzversorgung –, die Abschläge werden auf Leerstandsniveau gesetzt, und bei Neuvermietung wird die Lieferstelle mit dokumentiertem Zählerstand auf den neuen Mieter übergeleitet. Größere Versorger bieten dafür eigene Prozesse für die Wohnungswirtschaft an.
Der Eigentümer. Meldet der Mieter ab, wird der Eigentümer durch die weitere Versorgung automatisch Vertragspartner des Grundversorgers – meist zum teuersten Tarif am Ort. Deshalb: aktiv in einen gewählten Tarif ummelden statt in der Grundversorgung bleiben.
Nur bei langem, geplantem Leerstand ohne Aktivität in der Einheit – etwa vor Abriss oder Kernsanierung. Für normalen Vermietungs-Leerstand überwiegen die Nachteile: keine Beleuchtung für Besichtigungen, keine Renovierungsarbeiten, Gebühren für Sperrung und Wiederinbetriebnahme.
In der Heizperiode nein. Eine unbeheizte Einheit riskiert Frost- und Feuchteschäden, die weit teurer sind als der Sparbetrag – und im Schadensfall Ärger mit der Gebäudeversicherung. Besser: Frostschutzbetrieb, Vertrag behalten, Abschläge auf den Minimalverbrauch senken.
Ja. Die Kosten der Gemeinschaft – einschließlich Allgemeinstrom – werden nach dem Verteilerschlüssel auf alle Eigentümer umgelegt, unabhängig davon, ob eine Einheit bewohnt ist. Leerstand befreit nicht vom Hausgeld. Erfahren Sie mehr: Allgemeinstrom in der Nebenkostenabrechnung.
Sie können den Wechsel selbst über das Portal Ihres Versorgers melden – oder mir eine kurze E-Mail schreiben mit Objekt, Einheit, Zählernummer, Zählerstand und Auszugsdatum. Ich übernehme die Meldung dann für Sie; bei den Versorgern, mit denen ich überwiegend arbeite, über eine feste Key-Account-Betreuung. Wichtig ist in beiden Fällen, dass es zeitnah passiert, damit die Einheit nicht dauerhaft in der teuren Grund- oder Ersatzversorgung liegt.
Am besten mit einem Übergabeprotokoll: Darin werden der Stromzähler und – bei einer Etagenheizung – auch der Gaszähler mit Nummer, Stand und Datum festgehalten, idealerweise mit Foto. Anschließend wird der alte Mieter beim Versorger abgemeldet und der neue angemeldet. Zieht nicht sofort jemand ein, läuft die Einheit dazwischen über das Leerstandsmanagement – melden Sie sich in dem Fall einfach kurz bei mir, per E-Mail oder telefonisch, dann übernehme ich die Ummeldung. Ohne dokumentierten Übergabestand lässt sich später nicht sauber trennen, welcher Verbrauch auf wen entfällt.
Mit einem festen Prozess: Leerstands-Einheiten laufen standardmäßig in einem gewählten günstigen Tarif auf Eigentümer oder Verwaltung, Abschläge auf Leerstandsniveau, bei Neuvermietung saubere Überleitung mit dokumentiertem Zählerstand. Bei vielen Einheiten lässt sich das über einen Rahmen einheitlich regeln.