Ratgeber · Fitness & Freizeit

Energiekosten im Fitnessstudio: Strom und Gas richtig einkaufen und Lastspitzen senken

Lüftung, Duschen, Sauna und Öffnungszeiten bis spät in die Nacht: Fitnessstudios gehören zu den energieintensivsten Betrieben im Dienstleistungsbereich. Was die Kosten treibt, worauf es beim Einkauf von Strom und Gas ankommt und welche Hebel schnell wirken.

Von Melf Klaus Riecke, unabhängiger Energiemakler, Duisburg · Ratgeber

Warum Fitnessstudios so viel Energie brauchen

Ein Fitnessstudio ist energetisch eine Mischung aus Bürogebäude, Schwimmbad und Gastronomie. Die großen Verbraucher sind fast immer dieselben:

Bereich Warum er Energie kostet
Lüftung und Klimatisierung Viele Menschen, hohe Körperwärme, Feuchtigkeit: Die Luft muss oft ausgetauscht, gekühlt oder entfeuchtet werden
Duschen und Warmwasser Hoher Warmwasserbedarf über den ganzen Tag, aus Gründen der Hygiene mit hohen Speichertemperaturen
Sauna und Wellness Elektrische Saunen haben hohe Anschlussleistungen und erzeugen Lastspitzen
Beleuchtung Lange Öffnungszeiten, in manchen Studios rund um die Uhr
Trainingsgeräte Laufbänder und weitere motorbetriebene Geräte laufen im Dauerbetrieb
Schwimmbecken Wo vorhanden, oft der größte Einzelposten bei Wärme und Pumpenstrom

Anders als ein Hotel hat ein Fitnessstudio keine Saisonpause, aber starke Tagesschwankungen: Morgens und abends ist Hochbetrieb, mittags und nachts ruhiger. Genau dieses Muster entscheidet beim Energieeinkauf mit.

Strom: Lange Öffnungszeiten verändern die Preisstruktur

Größere Studios liegen beim Strom oft über 100.000 kWh im Jahr und werden dann mit registrierender Leistungsmessung beliefert. Dann setzen sich die Netzentgelte aus einem Arbeitspreis und einem Leistungspreis für die höchste abgerufene Leistung zusammen.

Viele Netzbetreiber unterscheiden dabei nach der sogenannten Benutzungsdauer, also dem Verhältnis von Jahresverbrauch zu Spitzenleistung. Studios mit langen Öffnungszeiten und gleichmäßiger Grundlast aus Lüftung und Beleuchtung können eine hohe Benutzungsdauer erreichen. Dann gilt häufig ein Tarif mit höherem Leistungspreis und niedrigerem Arbeitspreis. Eine einzelne Spitze, etwa wenn alle Saunen gleichzeitig hochheizen, während die Klimaanlage auf Volllast läuft, wird so besonders teuer. Wer seine Spitzen kennt und zeitlich verteilt, spart unabhängig vom Versorger.

Mietflächen und Einkaufszentren: Darf ich meinen Versorger selbst wählen?

Viele Studios liegen in gemieteten Gewerbeflächen, in Einkaufszentren oder Gewerbeparks. Dort lohnt vor jeder Ausschreibung eine Grundsatzfrage: Hat das Studio einen eigenen Zähler mit eigener Marktlokation beim Netzbetreiber, oder wird es über die Anlage des Vermieters mitversorgt und per Unterzähler abgerechnet?

Im ersten Fall kann das Studio seinen Versorger frei wählen. Im zweiten Fall bezieht es den Strom faktisch über den Vermieter, und ein eigener Liefervertrag ist ohne Umbau nicht ohne Weiteres möglich. Dann geht es eher darum, die Weiterberechnung im Mietvertrag zu prüfen. Diese Frage zu klären, spart viel Zeit, bevor Angebote eingeholt werden.

Wärme und Warmwasser

Duschen laufen von morgens bis abends, und aus Gründen des Legionellenschutzes lässt sich die Warmwassertemperatur nicht beliebig absenken. Der Wärmebedarf ist deshalb hoch und vergleichsweise gleichmäßig. Je nach Gebäude kommt die Wärme aus einem eigenen Gaskessel, aus Fernwärme oder über den Vermieter.

Beim eigenen Gasvertrag gelten dieselben Regeln wie überall: Umfang der Preisgarantie prüfen, insbesondere beim CO₂-Preis, und die Laufzeit an mögliche Technikwechsel anpassen. Studios mit gleichmäßigem Wärme- und Strombedarf können zudem für Wärmerückgewinnung aus der Lüftung oder für eine gemeinsame Strom- und Wärmeerzeugung interessant sein, wenn das Gebäude es zulässt.

Filialen und Franchise: Wer kauft ein?

Studioketten und Franchisesysteme haben beim Energieeinkauf einen großen Hebel, wenn sie ihn nutzen. Mehrere Standorte gemeinsam auszuschreiben, verbessert die Verhandlungsposition, vereinfacht Fristen und bringt einen Ansprechpartner für alle Häuser. Voraussetzung ist eine klare Antwort auf die Frage, wer Vertragspartner ist: die Zentrale, die einzelnen Betreibergesellschaften oder jeder Franchisenehmer selbst. Bei Franchisesystemen kann eine Rahmenvereinbarung sinnvoll sein, der sich die Partner anschließen können, ohne die Verantwortung für fremde Standorte zu übernehmen.

Stromsteuer und Abgaben

Fitnessstudios zählen nicht zum produzierenden Gewerbe und zahlen deshalb den vollen Stromsteuersatz. Entlastungen, die für das produzierende Gewerbe gelten, kommen für sie in der Regel nicht in Betracht. Umso wichtiger ist es, bei den Bestandteilen anzusetzen, die sich beeinflussen lassen: Energiepreis, Garantieumfang und Leistungsspitzen.

Schnelle Hebel beim Verbrauch

Der Einkauf ist nur eine Seite. Bei Fitnessstudios bringen oft schon wenige Maßnahmen viel:

  • Lüftung bedarfsgerecht steuern, etwa über Luftqualitätssensoren statt Dauerbetrieb auf voller Stufe
  • Saunazeiten staffeln, damit nicht alle Kabinen gleichzeitig aufheizen
  • LED-Beleuchtung und Präsenzsteuerung in Nebenräumen, Umkleiden und Fluren
  • Wärmerückgewinnung aus der Abluft, wo die Anlage es zulässt
  • Stand-by vermeiden bei Geräten und Bildschirmen außerhalb der Öffnungszeiten
Inklusive Lastgang-Auswertung

Wir werten Ihren Lastgang aus

Bei Lieferstellen mit Leistungsmessung schauen wir nicht nur auf die Jahresmenge, sondern auf den Lastgang, also den Stromverbrauch in Viertelstundenwerten über das ganze Jahr. Für Fitnessstudios mit Sauna, Lüftung und langen Öffnungszeiten ist das oft der Schlüssel zu spürbaren Einsparungen.

  • Leistungsspitzen finden: Wann entsteht die höchste Last im Jahr, und welche Verbraucher laufen dann gleichzeitig?
  • Grundlast prüfen: Was läuft nachts und außerhalb der Betriebszeiten, und ist das wirklich nötig?
  • Preismodell abgleichen: Passt das Netzentgeltmodell zur Benutzungsdauer, etwa Jahres- oder Monatsleistungspreis?
  • Bessere Angebote: Versorger kalkulieren mit einem sauberen Lastgang genauer und meist günstiger als mit einer bloßen Jahresmenge.

Den Lastgang fordern wir mit Ihrer Vollmacht beim Messstellenbetreiber an. Was hinter Lastgang, Leistungsmessung und Standardlastprofil steckt, erklärt der Ratgeber Lastgang, RLM und SLP.

Lastgang auswerten lassen

Worauf Studios bei Angeboten achten sollten

Punkt Warum er für Fitnessstudios zählt
Eigene Marktlokation oder Unterzähler Entscheidet, ob ein Versorgerwechsel überhaupt möglich ist
Leistungspreis und Benutzungsdauer Saunen und Klimatisierung erzeugen teure Spitzen
Umfang der Preisgarantie Netzentgelte und CO₂-Preis können sonst weitergegeben werden
Mengentoleranz Mitgliederzahlen, Erweiterungen und Umbauten verändern den Verbrauch
Laufzeit Mietvertragslaufzeit und geplante Modernisierungen berücksichtigen
Ein Ansprechpartner für alle Standorte Entlastet Ketten und Franchisesysteme

Wenn Sie wissen möchten, wie viel Ihr Studio sparen kann: Wir prüfen zuerst, ob Sie frei wählen können, analysieren bei Leistungsmessung den Lastgang und holen dann Angebote mehrerer Versorger zum selben Stichtag ein.

Häufige Fragen

Energie für Fitnessstudios – gut zu wissen

Das hängt stark von Größe, Ausstattung und Öffnungszeiten ab. Größere Studios mit Sauna und Klimatisierung liegen oft über 100.000 kWh im Jahr und werden dann mit Leistungsmessung beliefert. Den genauen Wert zeigen die Jahresrechnungen und bei Leistungsmessung der Lastgang.

In der Regel Lüftung und Klimatisierung, Warmwasser für die Duschen, elektrische Saunen und die Beleuchtung bei langen Öffnungszeiten. Wo ein Schwimmbecken vorhanden ist, kommt dessen Wärme- und Pumpenbedarf hinzu.

Nur wenn es einen eigenen Zähler mit eigener Marktlokation beim Netzbetreiber hat. Wird es über die Anlage des Vermieters mitversorgt und per Unterzähler abgerechnet, ist ein eigener Liefervertrag ohne Umbau meist nicht möglich.

Nein. Fitnessstudios zählen nicht zum produzierenden Gewerbe und zahlen den vollen Stromsteuersatz.

Bei Leistungsmessung richtet sich ein Teil der Netzentgelte nach der höchsten Leistung. Heizen mehrere Saunen gleichzeitig auf, während die Klimatisierung auf Volllast läuft, entsteht eine Spitze, die über das ganze Jahr Kosten verursacht.

Ja. Mehrere Standorte gemeinsam auszuschreiben, verbessert Konditionen und Übersicht. Vorher muss klar sein, wer Vertragspartner ist: Zentrale, Betreibergesellschaften oder Franchisenehmer.

Jetzt starten

Mehrere Angebote – und unsicher, welches trägt?

Senden Sie mir Ihre Angebote. Ich prüfe sie kostenlos und unverbindlich – nach Preis, Vertragsmechanik und Versorger.

Kostenlos & unverbindlich

Bestand prüfen lassen

In 30 Sekunden anfragen – Melf Riecke meldet sich persönlich zurück.

Bitte geben Sie Ihren Namen ein.
Bitte gültige E-Mail angeben.

Mit dem Absenden stimmen Sie der Kontaktaufnahme zu. Keine Weitergabe an Dritte.

Vielen Dank!

Ihre Anfrage ist eingegangen. Melf Riecke meldet sich kurzfristig persönlich bei Ihnen.