Ratgeber · für Hausverwaltungen

Wärme sichern, Verwaltung entlasten: Gaslösungen für Hausverwaltungen

Erdgas ist in vielen Beständen noch immer die Grundlage der Wärmeversorgung. Neben dem Preis entscheidet vor allem, wie viel Verwaltungsarbeit ein Vertrag verursacht: Abrechnungstermine, Abschläge, Zählerstände, Leerstände. Dieser Beitrag zeigt, welche Gaslösungen es für Verwaltungen gibt und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.

Zwei Wege: Rahmenvertrag oder Einzelvertrag je Objekt

Für Verwaltungen gibt es im Kern zwei Modelle. Beim Einzelvertrag wird jede Liegenschaft für sich versorgt, oft mit unterschiedlichen Laufzeiten und Abrechnungsterminen. Beim Rahmenvertrag laufen alle Objekte unter einem Vertragswerk mit einheitlichen Konditionen. Mehrere Versorger haben dafür eigene Programme für die Wohnungswirtschaft aufgelegt, die Stadtwerke Düsseldorf zum Beispiel unter dem Namen WoWi Plus. Nach Angaben des Anbieters richtet sich dieses Paket an Liegenschaften ab etwa 500.000 kWh Jahresverbrauch und umfasst preissichere Laufzeiten von bis zu vier Jahren, ein Portal für Verträge, Rechnungen und Zählerstände sowie feste Ansprechpartner.

Rahmenvertrag und Einzeltarif im Vergleich

KriteriumRahmenvertrag für die WohnungswirtschaftEinzelvertrag je Liegenschaft
PreissicherheitFestpreis über mehrere Jahre möglich, teils bis zu vierMeist kürzere Laufzeiten, dafür häufiger am Markt
AbrechnungEinheitlicher Stichtag für alle Objekte, flexible AbschlägeTermin je Objekt, abhängig vom Lieferbeginn
Digitale WerkzeugePortal für Verträge, Rechnungen und ZählerständeJe nach Anbieter, oft nur Standardkundenkonto
BetreuungBenannter Ansprechpartner für alle LieferstellenAllgemeiner Kundenservice
ZusatzleistungenVollinkasso, Wärmelieferung, Modernisierung zubuchbarEinzeln zu beauftragen
Wann sinnvollMehrere Objekte, gleiche VerwaltungsprozesseWenige Objekte oder sehr unterschiedliche Strukturen

Die Schwellenwerte sind kein Naturgesetz. Manche Versorger nehmen Portfolios ab 500.000 kWh in ihr Wohnungswirtschaftsprogramm auf, andere deutlich früher. Fragen Sie im Zweifel nach, statt sich von einer Zahl abschrecken zu lassen.

Abrechnung: der größte Hebel für weniger Aufwand

Der Preis entscheidet über die Kosten, die Abrechnung über Ihre Arbeitszeit. Drei Punkte gehören in jeden Gasvertrag für Verwaltungen:

  • Abrechnung zum Wunschstichtag, damit der Abrechnungszeitraum zum Wirtschaftsjahr passt. Warum das so viel ausmacht, steht im Beitrag Stichtagsabrechnung zum 31.12..
  • Passende Abschläge, monatlich oder quartalsweise, damit Liquidität und Buchhaltung zusammenpassen. Wie Sie Abschläge richtig einstellen, zeigt Abschläge anpassen.
  • Getrennter Ausweis je Lieferstelle auf der Rechnung, sonst wird die Umlage auf die Liegenschaft zur Handarbeit.

Digitale Werkzeuge, die wirklich Zeit sparen

  • Portal für Verträge und Zählerstände. Alle Lieferstellen an einem Ort, mit Zugriff für mehrere Personen im Team.
  • Digitale Zählerstandserfassung. Weniger Übertragungsfehler, weniger Rückfragen bei der Abrechnung.
  • Elektronische Rechnungen als PDF oder im Format ZUGFeRD, die sich direkt in die Buchhaltung einlesen lassen.

Prüfen Sie vor dem Abschluss, ob das Portal wirklich alle Objekte abbildet und ob Leerstandsmeldungen dort erledigt werden können. Genau daran scheitert es im Alltag am häufigsten.

Zusatzleistungen: sinnvoll oder Ballast?

Viele Anbieter verkaufen zum Gasvertrag weitere Leistungen. Die drei häufigsten:

  • Vollinkasso. Der Versorger rechnet direkt mit den Nutzern ab. Das entlastet, gibt aber auch ein Stück Kontrolle über die Kundenbeziehung ab.
  • Multi Metering und Heizkostenabrechnung. Sinnvoll, wenn Sie Wärme und Warmwasser ohnehin verbrauchsabhängig abrechnen.
  • Contracting und Wärmelieferung. Der Versorger betreibt die Heizung und liefert Wärme statt Gas. Das kann bei anstehender Modernisierung passen, verändert aber die Kostenstruktur grundlegend. Der Vergleich steht in Wärmelieferung oder Gaseinkauf.

Entscheidend ist, dass Sie diese Leistungen einzeln bewerten. Ein günstiger Arbeitspreis kann durch teure Zusatzmodule aufgezehrt werden, und ein Paket lässt sich später selten in Teilen kündigen.

Was Sie heute tun können

  • Jahresverbrauch aller Gas-Lieferstellen zusammenstellen und die Summe bilden. Erst diese Zahl zeigt, welche Programme für Sie infrage kommen.
  • Laufzeiten, Kündigungsfristen und Abrechnungstermine je Objekt in einer Übersicht erfassen.
  • Ein Objekt als Pilot für die digitale Zählerstandserfassung auswählen.
  • Bei der nächsten Ausschreibung Stichtag, Abschlagsrhythmus, Rechnungsformat und Portalzugang verbindlich abfragen, nicht erst nach dem Abschluss.

Ein Hinweis aus der Praxis: Verwechseln Sie Beschäftigung nicht mit Fortschritt. Ein neues Portal fühlt sich nach Fortschritt an, senkt aber keine Kosten, wenn der Arbeitspreis nicht stimmt.

Wie ich das für Sie steuere

Ich erfasse alle Gas-Lieferstellen im Lieferstellenmanagement, hole Angebote gebündelt ein und vergleiche nicht nur den Arbeitspreis, sondern auch Stichtag, Abschläge, Rechnungsformat und Zusatzleistungen. Welche Anbieter für Ihre Struktur infrage kommen, zeigt die Übersicht Anbieter im Check.

Häufige Fragen

Gaslösungen – gut zu wissen

Manche Programme setzen bei rund 500.000 kWh im Jahr an, etwa WoWi Plus der Stadtwerke Düsseldorf. Andere Anbieter bündeln schon deutlich kleinere Portfolios. Entscheidend ist die Summe über alle Objekte, nicht der einzelne Zähler.

Ein Festpreis bringt Planungssicherheit für Wirtschaftsplan und Hausgeld, kostet aber die Chance auf sinkende Preise. Wer Ruhe in der Kalkulation braucht, fährt mit einer längeren Bindung meist besser.

Sie reduzieren Übertragungsfehler und beschleunigen die Abrechnung. Den größten Effekt haben sie dort, wo bisher per Zettel oder Telefon abgelesen wurde.

Häufig ja. Lassen Sie sich schriftlich geben, welche Leistung was kostet und ob sie separat kündbar ist, bevor Sie ein Paket unterschreiben.

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