Lastganganalyse im Betrieb: Was 35.040 Viertelstunden über Ihre Stromkosten verraten
Die Jahresrechnung zeigt, wie viel Strom Ihr Betrieb verbraucht hat. Der Lastgang zeigt, wann und wie gleichzeitig. Genau dort entscheidet sich bei Lieferstellen mit Leistungsmessung ein großer Teil der Kosten – beim Netzentgelt und beim Energiepreis.
Was ein Lastgang ist
Bei Lieferstellen mit registrierender Leistungsmessung (RLM) erfasst der Zähler den Verbrauch in jeder Viertelstunde. Über ein Jahr sind das 365 × 96 = 35.040 Messwerte. Beim Strom wird eine Lieferstelle in der Regel ab etwa 100.000 kWh Jahresverbrauch so gemessen. Den Unterschied zwischen RLM und Standardlastprofil erklärt der Ratgeber Lastgang, RLM und SLP.
Eine Lastganganalyse wertet diese Werte systematisch aus. Das Ziel ist nicht eine schöne Kurve, sondern eine Antwort auf drei Fragen: Wo zahlen Sie für Leistung, die Sie nicht brauchen? Wo verbrauchen Sie Strom, ohne zu produzieren? Und mit welchem Profil gehen Sie in die nächste Ausschreibung?
Die vier Kennzahlen, auf die es ankommt
| Kennzahl | Was sie zeigt | Warum sie Geld kostet |
|---|---|---|
| Jahreshöchstleistung (kW) | Die höchste Viertelstunde im Abrechnungsjahr | Bestimmt in der Regel den Leistungspreis im Netzentgelt – für das ganze Jahr |
| Grundlast (kW) | Was dauerhaft läuft, auch nachts und am Wochenende | Jedes Kilowatt Grundlast läuft rund 8.760 Stunden im Jahr |
| Benutzungsstunden (h/a) | Jahresverbrauch geteilt durch Höchstleistung | Entscheidet über die Preisstufe beim Netzentgelt (üblich: unter oder über 2.500 Stunden) |
| Profilform | Schichtbetrieb, Wochentage, saisonale Muster | Ein gleichmäßiges Profil wird vom Versorger günstiger bepreist |
Rechenbeispiel: ein mittlerer Produktionsbetrieb
Ein Metallbaubetrieb verbraucht 400.000 kWh im Jahr, die höchste Viertelstunde lag bei 200 kW. Das ergibt 2.000 Benutzungsstunden. Die Analyse zeigt zwei Auffälligkeiten:
- Die Spitze: Sie entstand an wenigen Wintermorgen, als Hallenheizung, Kompressor und zwei große Maschinen gleichzeitig anliefen. Ohne diese Gleichzeitigkeit läge die Höchstleistung bei rund 160 kW. Bei einem angenommenen Leistungspreis von 100 €/kW im Jahr wären das rund 4.000 € weniger Netzentgelt pro Jahr – und mit 160 kW stiege die Benutzungsdauer auf 2.500 Stunden, also genau an die übliche Schwelle zur anderen Preisstufe.
- Die Grundlast: Außerhalb der Betriebszeiten liefen dauerhaft rund 15 kW, vor allem Druckluft und Lüftung. Bei rund 5.000 Stunden ohne Betrieb sind das etwa 75.000 kWh im Jahr – fast ein Fünftel des Verbrauchs.
Die Zahlen sind ein vereinfachtes Beispiel mit angenommenen Werten. Leistungs- und Arbeitspreise unterscheiden sich je Netzbetreiber und Spannungsebene deutlich; die tatsächliche Wirkung zeigt erst die Auswertung Ihres Lastgangs mit dem Preisblatt Ihres Netzbetreibers.
Was eine Lastganganalyse konkret prüft
- Leistungsspitzen: Wann treten sie auf, welche Verbraucher laufen dann gleichzeitig, und lassen sich Anläufe staffeln oder per Lastmanagement begrenzen? Details im Ratgeber Leistungsspitzen im Betrieb.
- Grundlast und Leerlauf: Was läuft nachts, am Wochenende und in den Betriebsferien – und muss das so sein?
- Netzentgeltmodell: Passt die Preisstufe zur Benutzungsdauer? Gibt es zeitlich begrenzte Spitzen, für die ein Monatsleistungspreis infrage kommt? Liegen die Spitzen außerhalb der Hochlastzeitfenster des Netzbetreibers, kann eine atypische Netznutzung geprüft werden. Die Regeln für solche Sonderformen werden derzeit von der Bundesnetzagentur überarbeitet; ob sie greifen, ist immer eine Einzelfallprüfung.
- Abrechnung: Stimmen die abgerechneten Leistungswerte mit dem Lastgang überein? Fehler in Netz- und Lieferantenrechnungen sind häufiger, als man denkt.
- Einkauf: Mit welchem Profil gehen Sie in die Ausschreibung, und wie verändert eine geplante PV-Anlage, Wärmepumpe oder Ladeinfrastruktur den Lastgang?
So läuft die Lastganganalyse bei uns ab
- Vollmacht: Sie erteilen uns eine Vollmacht für die Messdaten Ihrer Lieferstelle.
- Daten: Wir fordern den Lastgang der letzten zwölf Monate beim Messstellenbetreiber an, dazu das Preisblatt Ihres Netzbetreibers.
- Auswertung: Spitzen, Grundlast, Benutzungsstunden, Muster nach Wochentag und Jahreszeit.
- Besprechung: Sie bekommen die Ergebnisse verständlich erklärt – mit konkreten Ansatzpunkten und einer Einschätzung, was sich lohnt.
- Einkauf: Der saubere Lastgang geht direkt in die nächste Energieausschreibung.
Für Unternehmen des produzierenden Gewerbes lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die Stromsteuer-Erstattung. Beides zusammen bieten wir auf der Seite Energiemakler für das produzierende Gewerbe an.
Lastganganalyse – gut zu wissen
Die Auswertung des Stromverbrauchs in Viertelstundenwerten über mindestens zwölf Monate. Sie zeigt Leistungsspitzen, Grundlast, Benutzungsstunden und typische Muster im Betrieb und dient als Grundlage für Netzentgelt, Einkauf und Einsparmaßnahmen.
Vor allem für Lieferstellen mit registrierender Leistungsmessung, beim Strom in der Regel ab etwa 100.000 kWh Jahresverbrauch. Dort liegen die Viertelstundenwerte bereits vor und der Leistungspreis hängt direkt von der Lastspitze ab.
Vom Messstellenbetreiber oder Netzbetreiber. Mit einer Vollmacht können wir die Daten der letzten zwölf Monate für Sie anfordern.
Für Lieferstellen mit Leistungsmessung ist die Auswertung Teil der Betreuung. Für Sie entstehen keine separaten Kosten; die Vergütung ist ein Serviceaufschlag im Arbeitspreis.
Jahresverbrauch geteilt durch die höchste Viertelstundenleistung. Die Kennzahl zeigt, wie gleichmäßig ein Betrieb Strom bezieht, und entscheidet beim Netzentgelt über die Preisstufe.
Lastgang auswerten lassen
Mit Ihrer Vollmacht fordern wir den Lastgang beim Messstellenbetreiber an und werten ihn aus – Spitzen, Grundlast, Netzentgeltmodell und Einkauf. Für produzierende Betriebe prüfen wir auf Wunsch gleich die Stromsteuer-Erstattung mit.
Lastgang auswerten lassen
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