Energieversorgung für Hausverwaltungen: So finden Sie den richtigen Partner
Hundert Zähler statt einer Wohnung: Allgemeinstrom im Treppenhaus, Heizung im Keller, ständig wechselnde Leerstände. Ein Tarif, wie ihn Privatkunden abschließen, passt dafür nicht. Am Markt gibt es zwei grundverschiedene Wege, die Energie für ein Portfolio zu organisieren. Dieser Beitrag zeigt, welcher zu welchem Bestand passt.
Zwei Wege, ein Ziel
Die Angebote lassen sich in zwei Lager einteilen. Auf der einen Seite stehen unabhängige Energiemakler, auf der anderen große Versorger mit eigenen Portalen für die Wohnungswirtschaft. Beide Modelle haben ihre Berechtigung, folgen aber unterschiedlichen Logiken.
Der Makler-Ansatz: anbieterunabhängig ausschreiben
Energiemakler erzeugen weder Strom noch Gas. Ihre Aufgabe ist eine andere: alle Zähler eines Portfolios erfassen, gebündelt am Markt ausschreiben und die Verwaltungsarbeit drumherum übernehmen, also Rahmenverträge, Stichtagsabrechnung zum 31. Dezember, Fristen und Leerstandsmeldungen. Weil die Ausschreibung nicht an einen Anbieter gebunden ist, konkurrieren mehrere Versorger um den Bestand. Das wirkt vor allem bei heterogenen oder überregional verteilten Portfolios.
Der Versorger-Ansatz: ein Partner, ein Portal
Der zweite Weg führt über Versorger, die eigene Portale und Ansprechstrukturen für die Immobilienwirtschaft aufgebaut haben. Vattenfall ist dafür ein Beispiel: Nach Angaben des Anbieters lassen sich über ein Bündelportal alle Strom- und Gasverträge digital an einem Ort verwalten, vom Portfolio mit fünf bis zu einem mit hundert Objekten. Ein persönlicher Ansprechpartner wertet Verbrauchsdaten aus und erstellt daraus Angebote. Für Leerstände gibt es in Berlin und Hamburg ein eigenes Portal.
Der Vorteil liegt in der Bequemlichkeit: ein Vertragspartner, eine Oberfläche, ein Ansprechpartner. Der Preis dafür ist, dass kein Wettbewerb zwischen Anbietern stattfindet, solange Sie nicht selbst vergleichen.
Makler und Versorgerportal im Vergleich
| Kriterium | Unabhängiger Energiemakler | Versorger mit eigenem Portal |
|---|---|---|
| Ausrichtung | Anbieterunabhängige Ausschreibung | Ein Partner für alle Verträge |
| Stärke | Konditionen aus dem Marktvergleich | Persönliche Betreuung und digitales Portal |
| Geeignet für | Große, gemischte oder überregionale Portfolios | Portfolios mit Fokus auf einfache Verwaltung |
| Zusatzleistungen | Je nach Dienstleister unterschiedlich | Leerstandsportal, Bündelportal, Schulungen |
| Wechselaufwand | Ausschreibung läuft über den Dienstleister | Wechsel innerhalb des Anbieters, sonst neuer Aufwand |
Drei Kriterien, die im Alltag den Unterschied machen
- Schnittstellen zur Verwaltersoftware. Lassen sich Verbrauchs- und Rechnungsdaten exportieren und in Ihr System einlesen, etwa Haufe, Ixos oder eine vergleichbare Lösung? Ohne Schnittstelle bleibt die Nebenkostenabrechnung Handarbeit.
- Leerstandsmanagement. Fragen Sie konkret, wie Zähler bei Mieterwechseln an- und abgemeldet werden und ob in der Übergangszeit weiter Grundgebühren anfallen. Bei vielen Wechseln im Jahr summiert sich das. Mehr dazu im Beitrag Leerstand und Energieverträge.
- Fester Ansprechpartner. Ab einer gewissen Zahl von Zählern ist der allgemeine Kundenservice keine Hilfe mehr. Bestehen Sie auf einen benannten Kontakt, der Ihren Bestand kennt.
Drei Fragen, die Sie vorab klären sollten
- Liegt Ihr Portfolio in einer Region oder ist es über mehrere Netzgebiete verteilt?
- Geht es Ihnen vorrangig um den Preis oder um weniger Aufwand im Büro?
- Spielen Mieterstrom oder Photovoltaik heute oder in den nächsten Jahren eine Rolle? Dazu passt Mieterstrom und Photovoltaik in der WEG.
Die Antworten geben meist schon die Richtung vor. Ein Bestand in einer Stadt mit stabilen Mietverhältnissen stellt andere Anforderungen als hundert Lieferstellen in sechs Netzgebieten mit hoher Fluktuation.
In eigener Sache
Zur Einordnung: Wir sind selbst unabhängiger Energiemakler und damit Partei. Deshalb sagen wir offen, wann der andere Weg besser passt. Wer wenige Objekte in einem Netzgebiet betreut, gute Konditionen hat und vor allem Ruhe in der Verwaltung sucht, ist mit einem Versorgerportal häufig gut bedient. Der Vergleich lohnt sich vor allem dann, wenn der Bestand wächst, verteilt liegt oder die Verträge historisch gewachsen sind. Welche Anbieter dafür infrage kommen, steht in der Übersicht Anbieter im Check.
Wie ich das für Sie steuere
Ich erfasse alle Lieferstellen im Lieferstellenmanagement, schreibe gebündelt aus und achte dabei auf Schnittstellen, Leerstandsregelungen und Ansprechpartner, nicht nur auf den Arbeitspreis. Wie eine gemeinsame Ausschreibung mehrerer Objekte abläuft, zeigt Bündelausschreibung für WEGs.
Den richtigen Partner finden – gut zu wissen
Auch mit wenigen Objekten profitieren Sie von einer gebündelten Ausschreibung. Der Effekt fällt naturgemäß kleiner aus als bei großen Portfolios, weil weniger Volumen im Verfahren liegt.
Das hängt vom Anbieter ab. Prüfen Sie, ob in der Übergangszeit weiterhin Grundgebühren anfallen und wie schnell sich Zähler an- und abmelden lassen.
In der Regel nicht. Die Portale laufen im Browser und sind aus dem Büro wie von unterwegs erreichbar.
Das hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab. Wenn Photovoltaik geplant oder bereits installiert ist, lohnt die Prüfung in jedem Fall.
Beantworten Sie die drei Fragen zu Standortverteilung, Priorität zwischen Preis und Aufwand sowie zur Rolle von Mieterstrom. Daraus ergibt sich meist eine klare Richtung.
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Ich sehe mir Ihren Bestand an und sage Ihnen ehrlich, ob eine Ausschreibung lohnt oder Ihr aktueller Weg der richtige ist.
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